Das wasserwirtschaftliche Verbundleitsystem der Großen Kreisstadt Öhringen

Wasserversorgung, Abwasserbehandlung und Hochwasserschutz in nur einem Leitsystem: Das schaffte HST in der Großen Kreisstadt Öhringen, die um die Jahrtausendwende Probleme mit ihrem Prozessleitsystem bekamen. Das aus dem Jahr 1993 stammende System konnte ab dem 1.1.2000, den Tag des Sonder- schaltjahres, nicht dokumentieren. Ein Update der Software war zu teuer, die Ersatzteilbeschaffung war nur noch für kurze Zeit möglich. Die Funktionalität der Steuerung des gesamten Wasserwerkes, so die Befürchtung, könnte gefährdet sein, wenn nicht gehandelt wird.

Hinzu kamen die Probleme in der Fernwirktechnik der Kläranlage. Bei dem Versuch, weitere Regenüberlaufbecken an das Fernwirksystem der Kläranlage anzuschließen, stürzte das System komplett zusammen. Was folgte, war eine gründliche Bestandsaufnahme der Wasserversorgung und des Abwasserbereichs. Dabei wurde rasch deutlich, dass eine große Lösung für die Prozessleittechnik beider Bereiche und auch zum Hochwasserschutz wünschenswert war. In dieser Zeit besuchten die Betreiber zahlreiche Kommunen, um das Leistungsspektrum verschiedener Leitsysteme kennenzulernen.

Letztlich entschied man sich in Öhringen für SCADA V10, da die Amortisierungsrechnung für ein wasserwirtschaftliches Verbundleitsystem sehr positiv ausfiel. So wurde beispielsweise durch die vorgesehene Installation von Messeinrichtungen im Wasserversorgungsnetz erwartet, dass sich die Rohrnetzverluste mindestens auf acht, wenn nicht sogar auf vier Prozent reduzieren lassen; der Durchschnitt der Rohrleitungsverluste lag im Zeitraum 1993 bis 2004 bei 13,7 Prozent.

Auch bei den jährlichen Betriebskosten der Abwasserwirtschaft wurden ebenfalls Einspareffekte im Bereich der Überwachung errechnet. Eine regelmäßige Kontrolle ist schließlich eine gesetzliche Verpflichtung, dementsprechend hat eine Vernachlässigung strafrechtliche Konsequenzen. Wenn, so die Kalkulation, von der manuellen Überwachung auf die Leittechnik gewechselt wird, erfolgt die Kontrolle künftig automatisch und damit besser. Und so viel vorweg: All diese erwarteten Effekte traten ein.

Der Wechsel auf das Verbundleitsystem geschah von 2006 bis 2010 und wurde im Jahr 2017 auf die aktuelle Version SCADA V10 upgedatet. Dabei stand die Sicherheit der Systeme im Mittelpunkt. HST arbeitete mit redundanten Systemen, die sowohl auf lokaler Ebene (in den einzelnen Anlagen) als auch übergeordnet (zwischen den einzelnen Anlagen) Daten und Berichte synchronisieren.

Durch das Verbundleitsystem sind die Betreiber nun in der komfortablen Lage, den gesamten Überblick zu behalten. Rohrbrüche können schnell lokalisiert werden, bei kritischen Zuständen gibt das System sofort eine Meldung. Außerdem werden u.a. die Regenüberlaufbecken durch SCADA V10 gesteuert und die Leistungen der Kläranlage überwacht. Im Hochwasserschutz können u.a. Sicherheitsberichte erstellt und aktuelle Informationen zu Pegelständen auf einer Webseite der Stadt online angezeigt werden.